Weg Nr. 24
Weg Nr. 24

Die 1. Etappe des Meraner Höhenweges

führt von Giggelberg durch die “Schlucht der Tausend Stufen” bis nach Katharinaberg

Langsam klettert die Sonne im Osten über die fernen Dolomitengipfel, löscht die Schatten in den Sarntaler Alpen, bis sie bald darauf den Meraner Talkessel erhellt. Nach dem Frühstück genießen wir die Fernsicht auf der Terasse des Gasthofes Giggelberg und unser Blick erkundet Berggipfel auf denen wir schon gestanden sind und welche, die noch auf unserer Wunschliste stehen. Im Westen schauen wir bis zu den Ortleralpen und in die Ultner Berge. Wir sind bereit für die zweite Etappe, die sich durch ihr stetiges Auf und Ab und den markanten Steighilfen am Weg auszeichnet. Hier haben die Erbauer des Meraner Höhenweges besonders gute Arbeit geleistet und die Einschnitte, Täler und Steilstufen mit Brücken, Stufen und Sicherungen versehen. In "der Schlucht der 1000 Stufen" kommt dies besonders gut zum Vorschein. Belohnt werden wir durch mehrere Einkehrmöglichkeiten am Weg, die uns köstliche regionale Spezialitäten der Bauernküche anbieten. Die karge Vegetation an den trockenen Hängen des Vinschger Sonnenberges unterstreicht den Charakter dieser Etappe. Die Hänge sind mit Wacholderbüschen und von Beerensträuchern bewachsen. Es gedeihen verschiedene osteuropäische Steppenpflanzen und mediterrane Vertreter der Flora- und Fauna finden hier optimale Bedingungen. Der Markierung "24" folgend, erreichen wir den Linthof, der sich etwas oberhalb der Seilbahn "Unterstell" befindet. Diese Seilbahn bringt die Wanderer auf den Meraner Höhenweg, oder ermöglicht auch Tagesgästen diese Etappe als Tagestour zu gehen. Wir folgen dem Weg, der rechts in das Schnalstal führt. Grandios ist der Blick auf Schloss Juval, dem Sommersitz von Reinhold Messner, der auf einem Felssporn am Ausgang des Schnalstals von weit her zu sehen ist. Nach weiteren zwei Stunden Gehzeit erreichen wir unser Tagesziel, den Ort Katharinaberg (1245m). Das Dorf, das wehrhaft auf einem Felsvorsprung errichtet worden ist, ist durch seinen markanten Kirchturm leicht zu erkennen. Der Ort Katharinaberg war bereits in der Bronzezeit besiedelt, was vorgeschichtliche Funde im Bereich des Kirchhügels beweisen. An dieser Stelle stand früher die Schnalsburg, deren Mauern bereits im Jahre 1350 geschleift worden sind. Nachdem wir unsere Unterkunft bezogen haben stehen wir an den Dorfmauern und schauen durch das Tal. Welch ein Erlebnis!

Die 2. Etappe

führt von Katharinaberg im Schnalstal zum Eishof im Pfossental

Katharinaberg im Schnalstal

Die Sonne wirft in den Morgenstunden noch einen weiten Schatten über Katharinaberg und ist kühl. Bald werden sich unsere Muskeln durch die Steigarbeit erwärmen und nach wenigen Atemzügen haben wir uns wieder an das Gewicht des Rucksacks und an das Gehtempo gewöhnt. An der orographisch linken Seite wandern wir taleinwärts und erkennen nach einiger Zeit die Talöffnung des Pfossentals, einem Seitental des Schnalstales. Nach Nordosten biegen wir ins Pfossental, und erreichen nach kurzer Wegstrecke die "Vorderkaser-Alm" samt dem Gasthof Jägerhof. Die Alm ist durch eine gute Straße erschlossen und ist ein beliebtes Ziel für Tagesgäste. Spannend ist auch der Besuch der Schaukäserei, in der die Herstellung von Käse beobachten und Käse verkosten kann. Direkt am Weg finden wir weitere Almen mit Einkehr- und Übernachtungsmöglichkeit. Unser heutiges Ziel liegt aber bei den großen Flächen und Weiden am Talschluss die zum Eishof gehören. Der Weg ist kurzweilig und schön. Immer wieder weisen Thementafeln mit interessanten Hinweisen auf die Geschichte und Natur dieses Tales hin. Beim Vorderkaser stellen Tafeln die Geschichte des Pfossentales vor. Am Weg zeigen uns weitere Totems und Tafeln die verschiedenen Überlebensstrategien und Anpassungsformen der Tier- und Blumenwelt dieses alpinen Lebensraums. Beim Eishof stehen wir direkt unterhalb der 3000er-Gipfel, die diesen Talschluss bilden. Die Geologie des Pfossentals ist vorwiegend durch Umwandlungsgesteine geprägt. Die hell leuchtende Hohe Weiße bildet mit dem Eisjoch und der Hohen Wilden den Abschluss des Tales. In Zuge der Errichtung des Themenweges wurde auch eine Informationstafel erstellt, die an die Protestkundgebung im Jahr 1981 gegen den Bau eines Stausees zur Wasserkraftnutzung erinnert. Die Almböden und der schöne Wildbach rund um den Eishof hätten unter den Fluten eines Stausees verschwinden sollen. Fasziniert von den majestätischen Gipfel der Texelgruppe, die im Abendlicht leuchten, schauen wir mit dem Fernglas auf die Wegstrecke der morgigen Etappe. Wir sind nun beim Eishof angekommen und suchen unser Quartier auf. Es war ein schöner Tag!

Die 3. Etappe des Meraner Höhenweges

vom Eishof - Eisjöchl - Stettiner Hütte - Lazins - Zeppichl

Stettiner Hütte

Zeichen der Zerstörung an der Stettiner Hütte

Diese eindrucksvolle 3. Etappe des nördlichen Meraner Höhenweges führt über das 2.879 m hohe Eisjöchl. 
Achtung: Die Stettiner Hütte im Winter 2014 von einer Lawine zerstört worden. Seit Sommer 2014 ist die Hütte zwar als Einkehr wieder für Tagesgäste geöffnet, Übernachtungsmöglichkeit ist nicht möglich.

Nur die Glocken der Kühe und einige Pfiffe der Murmeltiere durchdringen die Stille dieses Ortes. Wir befinden uns hier auf 2074 m Meereshöhe und die weite Alm um den Eishof bietet dem Vieh satte Weideflächen. Bis Ende des 19. Jahrhunderts war der Eishof die höchstgelegene Dauersiedlung im alten Tirol und urkundlich wurde dieses unwirkliche Kleinod bereits im 13. Jahrhundert erwähnt. Mitte des 19. Jahrhunderts erhielt er Bedeutung als Stützpunkt für Bergsteiger, obwohl er zu dieser Zeit noch eine sehr einfach eingerichtet war. Erst später wurden Fremdenzimmer eingerichtet und zwischen den beiden Weltkriegen wechselte er Besitzer. Zehn Bauern aus Meran kauften den Hof um 140.000 Lire (heute umgerechnet € 75), aber damals eine stattliche Summe. Im Jahre 1973 zerstörte ein Brand die Hofstelle, die dann bis 1981 wieder neu errichtet worden ist. Wir stehen startbereit vor dem Eishof und folgen dem breiten Militärweg, gleichmäßig in Serpentinen steigend über eine Stufe. In etwa zwei Stunden überwinden wir die 800 Höhenmeter und erreichen das Eisjöchl auf 2895 m, den höchsten Punkt des Meraner Höhenweges. Am Eisjöchl verbinden sich das Pfossental und das Pfelderertal, nördlich vom Joch ragt die Hohe Wilde 3480 m und südlich die Hohe Weiße 3281 m in die Luft. Etwas unterhalb vom Joch liegt die Stettiner Hütte, die im Februar 2014 von einer Lawine zerstört worden ist. Die Hütte bietet keine Übernachtungsmöglichkeit. Ein Provisorium bietet den hungrigen Wanderern Einkehrmöglichkeit und bei schlechten Witterungsverhältnissen Unterstand. Bis zur Fertigstellung der neuen Hütte wird noch einige Zeit vergehen. Aus diesem Grund ist es empfehlenswert bei der Etappenplanung die Hütte nicht als Übernachtungspunkt einzuplanen. Wir bleiben auf der Terrasse und schauen den vorbeiziehenden Wolken nach und genießen den Blick in diese Bergwelt. Nun beginnt unser Abstieg zur Höfegruppe Zeppichl nach Pfelders, der zwar in gut angelegten Serpentinen zur Lazinser Alm hinunterführt, aber uns trotzdem das Gewicht auf den Schultern spüren lässt. Bald erreichen wir Zeppichl und beziehen die bereist im Vorfeld reservierte Unterkunft in dieser kleineren Höfegruppe mit mehreren Gastbetrieben.

Die 4. Etappe

bringt uns von Zeppichl zur Schnittstelle des nördlichen und südlichen Teil des Meraner Höhenweges.

Wir beginnen unsere heutige Etappe an der Siedlung Zeppichl in Pfelders. Das Pfelderer Tal liegt etwa 1600 m Meereshöhe und ist eines der wasserreichsten Täler Südtirols, weil sich hier sehr viele Wildbäche am Talboden treffen und dann tosend über Moos in das Passeiertal fließen.

Da der Weg nun im Talboden und an ziemlich flachen Hängen parallel der Straße Moos-Pfelders verläuft, stellt er kaum noch Anforderungen an die Höhenwegwanderer. Ein Stück des Meraner Höhenweges führt hier über den Weg, der im Winter die Natur-Rodelbahn begleitet.

Wir folgen einem Weg, überqueren die Brücke des Pfeldererbachs und erreichen unseren Weg mit der Markierung Nr. 24, den Meraner Höhenweg.

Wir folgen diesem bis Inner- und Außerhütt. Dem Bachverlauf folgen wir dem Weg bis nach Unterstein, bis wir auf der (orographisch) rechten Seite des Baches auf einem asphaltierten Sträßchen wandern. Wir wechseln nun die Bachseite und erreichen das Krössbichl (1.566 m). Hier stehen wir an einer besonderen Stelle des Meraner Höhenweges: am Krössbichl überqueren wir jene Brücke, an der sich der südliche und der nördliche Teil des Meraner Höhenweges begegnen. Weiter führt uns der Weg bis nach Sefnar (1.448 m) und weiter nach Außerhütt (1.457 m). Öfters wandern wir hier auf asphaltierten Fahrwegen, die aber, nicht stark befahren sind. In Pfelders hat unser Wanderweg den Naturpark Texelgruppe verlassen und hier, kurz vor dem Weiler Ulfas, betreten wir erneut das Schutzgebiet. Auf gut beschilderten Wegen erreichen wir nun den Weiler Ulfas (1.328 m). Teilweise befestigt und asphaltiert führt der Weg nun durch den Kammerwald bis zur Höfegruppe Christl (1.029 m). Wie ein Schwalbennest liegt die beliebte Einkehr oberhalb von St. Leonhard am Hang. Wir genießen eine längere Rast auf der Terrasse und wandern nun in den sonnigen Teil dieses Wegstücks in südliche Richtung bis zur Streusiedlung Matatz (1.052 m) zum Endpunkt der heutigen Etappe.

Die 5. Etappe

verbindet Höfe und Höfegruppen im Passeiertal und endet bei den Muthöfen oberhalb Dorf Tirol

Wir beginnen die heutige Etappe in Matatz und wandern über das Kalmbachtal, Magdfeld, Saltauser Tal, Vernuer, Riffian und durch das Spronser Tal zurück bis Hochmuth. Wie an einer Perlenkette reihen sich die Bergbauernhöfe aneinander und wir begehen alte Kirch- und Höfewege. Ständige Auf- und Abstiege, die selten 200 Höhenmeter überschreiten, zeichnen diese Etappe aus. Auch die Vegetation wird immer dichter und in den tieferen Lagen finden wir Edelkastanien und Linden an. Die Ostflanken der Texelgruppe liegen stets auf unserer rechten Seite und an einigen Stellen sieht man die Gipfel der Matatz- und der Kolbenspitze. Im Kalmbachtal befinden uns auf 820m Meereshöhe, den tiefsten Punkt am Meraner Höhenweg. Am Talgrund, wo der Wildbach tobt und etwas unterhalb als Wasserfall ins Tal fällt , überqueren wir das Tal und bewältigen erneut einen Aufstieg. Die 1000 m-Marke haben wir hier erneut erreicht und wir folgen dem Weg bis zur Höfegruppe "Magdfeld". Nun führt der Weg führt weiter, von Hof zu Hof, von Weiler zu Weiler, öfters durch Wald bis zum Longfallhof im Spronser Tal. Der Gasthof Longfall liegt direkt am Höhenweg, im oberen Spronser Tal. Hier speist das Wasser seit über 600 Jahren einen Wasserkanal, - einen Waal. Der "Kuenser Waal" führt das Wasser vom Spronser Bach mehr als 1,7 km lang bis in die Obst- und Weingärten nach Kuens. Unser Weg, der bei Nässe etwas Trittsicherheit erfordert, führt nun zum Talbauer-Hof, einen der Muthöfe. Mit einer herrlichen Fernsicht und Tiefblick auf Meran beenden wir hier unsere heutige Etappe.

Die 6. Etappe

führt uns über die Südflanken der Texelgruppe bis zum Hochganghaus

Hier bei den Muthöfen, oberhalb von Schloss Tirol, dem Stammschloss der Grafen von Tirol, befindet sich der Ausgangspunkt unserer sechsten Etappe des Meraner Höhenweges. Bis ins Mittelalter reicht die Geschichte dieser abgelegenen, auf steilen Hängen errichteten Höfe. Sie waren bereits im Jahr 1285, zur Zeit Meinhard II urkundlich erwähnt. Bis vor einigen Jahrzehnten waren diese Höfe ausschließlich auf Fußwegen erreichbar, dann wurden Seilbahnen für den Materialtransport erreichtet. Seit wenigen Jahren sind die Höfe über einen schmalen Fahrweg erreichbar. Wir folgen der Markierung Nr. 24, die auf allen Etappen des Meraner Höhenweges unser Richtungsweiser ist. Beim Gasthof Hochmuth (1361 m) biegen wir nach links, nach Westen ab und folgen dem „Hans-Frieden-Weg“ bis zur Leiteralm und immer weiter bis im Jahre 2012 fertiggestellten Hochganghaus auf 1839 m Seehöhe.

Kurz vorher, am Töllgraben, bewundern wir ein technisches Bauwerk der besonderen Art: eine sogenannte Spannbandbrücke, die den tiefen Taleinschnitt mit einer Gesamtlänge von 55m überbrückt.
Das Hochganghaus befindet sich auf einer Waldlichtung und ist Ausgangspunkt für alpine Höhenwanderungen zu den Gipfeln der Texelgruppe.

Die 7. und letzte Etappe des Meraner Höhenweges

bringt uns vom Hochganghaus über Nassereith bis nach Giggelberg.

Nach dem Hochganghaus wechselt der Weg Charakter zeigt seine alpinen Wesenszüge. Über die Tablander Alm wurde der Meraner Höhenweg mit größeren Steinplatten ausgelegt und bietet dadurch ein genussvolles Wandern. Tiefblicke, Besonderheiten am Weg und immer neue Blickwinkel in die Landschaft prägen unvergessliche Bilder in unser Gedächtnis. In leichtem Gefälle gelangen wir zum Zielbach und zur Nassereith-Hütte (1523 m), die im Jahr 2015 neu saniert worden ist. Der Bach der von den hochalpinen Gipfeln der Texelgruppe an uns vorbeitost, konzentriert sich am Partschinser Wasserfall, den höchsten Wasserfall Südtirols. Dieses Naturschauspiel befindet sich nur wenige Höhenmeter unterhalb der Nassereith-Hütte. Ein kurzer Abstecher dahin ist lohnend. Wer hier die Begehung des Meraner Höhenweges abschließen möchte, ist gut beraten, denn vom Wasserfall erreicht man in kurzer Zeit den Parkplatz an der Tastation der Texelbahn.
Wer noch einige Höhenmeter sammeln möchte, der kann ab Nassereith den Weg nach Giggelberg folgen. Ein leichter Aufstieg im schattigen Wald bringt uns nach etwa einer Stunde zu unserem heutigen Etappenziel, dem Berggasthaus Giggelberg (1565 m). Nur wenige Höhenmeter unterhalb des Gasthofes befindet sich die Bergstation der „Texelbahn“, die Partschins/Rabland mit dem Meraner Höhenweg verbindet.