Weg Nr. 24
Weg Nr. 24

Gestresste Gesteine oder die Entstehung neuer Gesteine

„Metamorphose“ bezeichnet die Umwandlung der Sediment- und magmatischen Gesteine unter erhöhtem Druck und erhöhter Temperatur bei weitgehend festem Aggregatzustand. Die vorhandenen Mineralien passen sich durch chemische Reaktionen und Umkristallisation den neuen Bedingungen an. Neue Mineralkombinationen lassen völlig veränderte Gesteine entstehen. Seitdem man die in der Natur beobachteten Mineralreaktionen im Labor nachahmen kann, weiß man über die Vorgänge gut Bescheid. Die wichtigsten laufen bei Temperaturen von 200-900°C ab, bei einem Druck, der 10 bis 40, seltener 100 Kilometern Erdtiefe entspricht. Die Temperatur hängt zudem von der geologisch-tektonsichen Umwelt ab, sie wächst durchschnittlich um 30°C pro km Tiefe. Sie kann aber in Bereichen mit empordringendem Magma beträchtlich erhöht sein. Mit Hilfe der Faziesfelder des Druck-Temperatur-Diagramms kann rasch der Grad einer Metamorphose beurteilt werden: z.B. entstanden Gesteine der Amphibolitfazies in 10 bis 35km Tiefe, bei 520 bis 650°C. Die typische Metamorphose während der Gebirgsbildung erfasst riesige Gebiete, die Gesteine werden durch Deckenüberschiebung und Faltungen über weite Strecken horizontal und vertikal verfrachtet. Dabei können sie in Bereiche hoher Temperatur und hohen Drucks gelangen.

Was ist Marmor?

Der Name (griech. „marmoros“) bedeutet Felsblock oder weißer Stein. Der metamorphe Kalkstein ist monomineralisch aufgebaut (bis zu 99%) aus Calcit (CaCO3). Im Gegensatz zum Kalkstein sind im Marmor die Calcitminerale mit bloßem Auge erkennbar. Sein Bruch ist spätig, und seine Kanten sind lichtdurchscheinend. Das einfallende Licht wird noch aus mehreren Millimetern Tiefe wieder nach außen reflektiert. Weder Fossilien noch Hohlräume finden sich in gut ausgebildetem Marmor. Zwei weiße, markante Berggipfel wachsen aus dem Talboden des Tschingelsbaches: Der Lodner (3.228m) und die Hohe Weiße (3.278m). Beide Erhebungen gehören zum Carbonatzug der Laaser Serie, in dem mächtige Lagen von Kalkmarmor dominieren, die sich vom Ratschingsertal bis ins Campokristallin des südlichen Vinschgaus fortsetzen.Namengebend für diesen Marmorzug war die Ortschaft Laas, bei der heute noch Marmor abgebaut wird. Die Entstehungsgeschichte dieses Marmors begann 20 Breitengrade südlicher als heute, am Grunde eines flachen tropischen Meeres. Vor mehr als 500 Millionen Jahren sanken die Kalkskelette von primitiven Einzellern und Algen, von Muscheln, Schnecken und Moostierchen in die Tiefe und reicherten sich zu weißen Kalkschlämmen an. Von anderen Ablagerungen und vulkanischen Gesteinen überdeckt und gedrückt, geriet der Kalk im Laufe der folgenden 100 Millionen Jahre in immer tiefere Erdschichten und verdichtete sich zu Gestein. Im Kräftespiel von zwei Gebirgsbildungen (kaledonisch und variszisch) wurden verschiedene Kontinentalpuzzles zum Großkontinent Pangäa vereinigt. Magma wurde bis in die Umgebung der Kalkserien gepresst. Bei Temperaturen von 500-700° Celsius, unter Druck von 4-7 x 1015 Kilopascal und starker Entwässerung kristallisierten vor etwa 300 Millionen Jahren die Kalke zu grobkörnigem, reinem Marmor, den die alpidische Gebirgsbildung wieder aus der Versenkung hob. Zwei Gesteinszüge strecken sich von der Brennerlinie bis in die Texelgruppe: Im Norden und Westen lagert der Schneebergzug – und südlich davon, durch ein Glimmerschieferband von ihm getrennt, verläuft die Laaser Serie. Beide Einheiten stellen ähnliche Gesteine, unterscheiden sich aber deutlich vom umgebenden Altkristallin, da hier Marmore auftreten – gemeinsam mit mineralreichen Quarziten, Hornblendenschiefern, Glimmerschiefern. Während der Schneebergzug seine Massen aus Beckenablagerungen des Paläozoikums schöpfte, scheint die Laaser Serie zur gleichen Zeit Schelfbildungen entstiegen zu sein. Schon im Frühvariszikum, vor 300 – 280 Millionen Jahren, wurden ihre westlichen Abschnitte (Texelgruppe) in die örtliche Metamorphose und in den Schlingenbau einbezogen.